April 2013: Sehnsucht nach Farben

In diesem Monat ist es ein bisschen spät, dass die monatliche Kolumne auf der Seite meiner Galerie erscheint. Die grauen Tage, die fühlbare Kälte, die sich oft wiederholenden Regenschauer wurden dazu benutzt, träge zu arbeiten, zu träumen von den Farben des letzten Jahres und diese im Innersten der Seele heraufzubeschwören. In dieser Zeit habe ich mich mit dem Symbolismus, die Kunst der Wende zum 19. Jahrhundert, beschäftigt.

Hoffstätter schreibt dazu: >Durch die Farbe werden die Bilder der Wirklichkeit entrückt und zu einer Gegenwirklichkeit umgeformt. Der Gedanke einer Farb- und Lichtsymbolik beschäftigt seit Goethes Farbenlehre alle Symbolisten des 19. Jahrhunderts. Goethe sprach von der bedeutenden Wirkung der Farbe auf das Gemüt und nannte diese »eine spezifische, in Zusammenstellungen teils harmonische, teils charakteristische, oft auch unharmonische, immer aber eine entschiedene und bedeutende Wirkung, die sich unmittelbar an das Sittliche anschließt«. Er sprache vom symbolischen Gebrauch der Farbe, wenn sie »ihrer Wirkung gemäß angewendet würde und das wahre Verhältnis sogleich die Bedeutung ausspräche«.

Runge war einer der ersten, der sich theoretisch im Sinne einer praktischen Malästhetik damit auseinandergesetzt hat: »Licht oder Weiß und Finsternis oder Schwarz sind keine Farben: das Licht ist das Gute und die Finsternis ist das Böse (ich beziehe mich wieder auf die Schöpfung). Das Licht können wir nicht begreifen, und die Finsternis sollen wir nicht begreifen, da ist dem Menschen die Offenbarung gegeben, und die Farben sind in die Welt gekommen, das ist: blau, rot und gelb. Das Licht ist die Sonne, die wir nicht ansehen können, aber wenn sie sich zur Erde oder zum Menschen neigt, wird der Himmel rot. Blau hält uns in einer gewissen Ehrfurcht, das ist der Vater, und rot ist ordentlich der Mittler zwischen Himmel und Erde; wenn beide verschwinden, so kommt in der Nacht das Feuer, das ist das Gelbe und der Tröster, der uns gesandt wird – auch der Mond ist gelb.« Die Romantiker wußten um die kosmischen Qualitäten des Lichts. <

aus “Hans H. Hofstätter, Symbolismus und die Kunst der Jahrhundertwende”

Monatsspruch

Die Kunst ist ein Übergang aus der Natur zur Bildung und aus der Bildung zur Natur.

Johann ChristianFriedrich Hölderlin, * 20. März 1770 in Lauffen, † 7. Juni 1843 in Tübingen

X