Januar 2015: Dorazio der Weltbürger

In der Winterausstellung der Galerie unter dem Motto “Frederick” möchte ich für den Monat Januar 2015 den Künstler Piero Dorazio vorstellen. Geboren am 29. Juni 1927 in Rom, gestorben am 17. Mai 2005 in Perugia/Umbrien, wirkte mit seinem künstlerischen Schaffen mit den Phänomenen Farbe und Licht. Seine abstrakte nicht gegenständliche Bildsprache zeigt sich in der Verwendung reiner Grundfarben, die er in Streifen, Strichen, Linien, Feldern, Flächen überlagert, verwebt, ornamentisch repetiert.

Der große italienische Dichter Giuseppe Ungaretti, väterlicher Freund und auch Lehrer von Piero Dorazio, schrieb zu den Gemälden der 60er Jashre: “In Dorazios Geweben oder besser Membranen (…) öffnen sich in dichten Waben Honigzellen und bergen lichtschwangere, lichtbestachelte Pupillen. Dorazio ist wirklich voller Licht, und dank ihm wird das Licht gleichsam zur Wirklichkeit der Malerei. Er konzentriert sich und fixiert einen Lichtpunkt, der aus Abgründen wieder auftaucht, sich ins Unendliche wiederholt (…) Die Erscheinungen machen das Geheimnis für den Menschen noch geheimnisvoller”.

Neben seiner Malerei hat er auch Glasfenster, Mosaiken und Bühnenbilder, u.a. für die Mailänder Scala geschaffen, ebenso als Dozent gewirkt und eine große Anzahl von reflektierenden ästhetischen wie auch kulturpolitischen Texten zur Moderne verfasst. Seine Begegnungen und der Diskurs mit großen Künstlerpersönlichkeiten sind überaus reich, u.a. mit Picasso, Braque, Léger, Matisse, Duchamp, Miró, Wolf, Rothko, Newman, de Kooning und Rauschenberg.

Seine internationalen nicht zählbaren Ausstellungen zu nennen, wäre mühsam. Jedoch bemerkenswert sind die Teilnahmen an der Documenta in Kassel 1959 und mehrfach an der Bienale in Venedig und dort 1988 mit einem eigenen Saal.

Monatsspruch

“Ein Bild in einem Spiegel, ein Regenbogen am Himmel und eine gemalte Szene – all diese Dinge werden wahrgenommen, aber in ihrem Wesen sind sie nicht das, was sie zu sein scheinen. Betrachte die Welt mit aufmerksamen Augen, und du siehst eine Illusion, den Traum eines Magiers.”

Jan Baker: ausThe Dalai Lama´s Secret Temple: Tantric wall paintings from Tibet, London, New York 2000, S. 175

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