Juli 2015: Die 7 Hauptlaster in der Kunst "II"

Im Volksmund “die 7 Todsuenden”

Im Gemaelde Sieben Todsuenden” von Otto Dix von 1933 schleicht sich der Geiz als gebueckte alte Hexe aus dem Bild, darauf hockt der Neid als giftiger kleiner Zwerg.

Der Artikel der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29. Dezember 2013 mit der gewuenschten Prognose fuer den Kunstmarkt 2014 hat mich dazu bewegt, Einzelheiten wiederzugeben. Aus dem Mittelalter stammt der Deckname SALIGA, gebildet aus den Anfangsbuchstaben der genannten Todsuenden: Superbia, Avaritia, Luxuria, Ira, Gula, Inidia, Acedia.

  • Luxuria Die Genusssucht, die Verschwendung und der Ueberfluss – all diese Uebersetzungen von Luxuria sind selbstredend praezise Beschreibungen für den Kunstmarkt. Sie aber sollte man wohl nur im oberen Preissegment ernsthaft bereuen. Dort wurde verschwendet ohne Augenmaß, angetrtieben von Gula (Maßlosigkeit). Doch weiter unten offenbart sich eine Crux. Ohne Suender kein Kunstmarkt. Denn ohne sie koennte sich der Kunstmarkt in seiner heutigen Form gleich selbst abschaffen. Was wuerde geschehen, wenn der Mensch 2014 ploetzlich tugendhaft und maßvoll werden wuerde: Sind die Waende voll, wird nicht mehr gekauft? Der Ueberfluß ist ein Geschenk, das uns der lasterhafte Mensch macht.
  • Ira ist der Zorn oder verstaendlicher: der Jaehzorn. Er war und ist gewaltig, auf den Straßen Istanbuls, in Aegypten oder Syrien, aber auch vor den Frankfurter Bankentuermen. Die Kunst zeigt den Zorn als Mann mit Degen, der nicht schaut, wen er links und recht niedermetzelt. Die Kunst selbst sollte nicht jaehzornig sein, sondern sich in Kritik ueben. Denn es ist ja gerade nicht die Veraenderung, die sich im Zorn freischlaegt, sondern die Zerstoerung. Der Jaehzorn, getrieben von Neid und Missgunst, aber ist im Kunstmarkt zu Hause. Er goennt nichts und giert nach dem Lohn der Rache: Ein Ueberbieter.

Die Fortsetzung zu der Aufschluesselung des mittelalterlichen Decknamens wird in den News fuer August und September 2015 erscheinen. Der Artikel aus der FAZ stammt von Rose-Maria Gropp und Swantje Karich.

Monatsspruch

Neid, Habsucht, Hartherzigkeit, Trägheit, alle diese Laster lassen sich bändigen oder einschläfern; nur die Eitelkeit ist immer wach und verstrickt den Menschen in tausend Dinge, die zuletzt ein ganz anderes Wesen aus ihm machen, als er zu sein wünscht.

Gottfried Keller

* 9. Juli 1819 in Zürich

† 15. Juli 1890 in Zürich

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