Mai 2014: Ikonen V

Als letzte der in der Galerie befindlichen Ikonen betrachten wir den

Christus Erlöser

Ikone aus Russland / 19. JH

Christus ist in Brustbildformat dargestellt

Neben dem großen Nimbus sieht man oben die Anfangsbuchstabes des Christusmonogramms, die rechte Hand zur Segensgeste erhoben, in der linken Hand die geöffnete Bibel.

Die Echtheit dieser Holzikone aus Russland aus dem 19. JH ist garantiert.

Ikonen wollen “Fenster” sein zu einer geistlichen Wirklichkeit, die Zeit und Raum transzendiert. Christus wird in der Ostkirche im Anschluss an den Gottestitel LXX (Septuaginta) und der Offenbarung des Johannes “Pantokrator / Allherrscher” genannt.

Diese Ikone zeigt Christus mit dem geöffneten Evangelium an der Seite seines Herzens. Die rechte Hand ist zum Segensgestus erhoben. Zeige- und Mittelfinger formen ein Chi (X), die drei übrigen Finger ein Rho (P), die Abkürzung für Christus, den mit dem Heiligen Geist Gesalbten. Die zwei Finger erinnern zugleich an die zwei Naturen Christi, die göttliche und die menschliche; die drei Finger an den Dreieinigen Gott, der uns in Christus begegnet.

Das in den Nimbus eingezeichnete Kreuz erinnert uns daran, dass Christus durch seinen Tod am Kreuz für uns zum Erlöser und Lebensspender geworden ist, als den ihn die Ikone bezeichnet. Der Nimbus weitet sich hinaus aus dem darstellenden Bild und überflutet die Bildeinfassung.

Ikonen versuchen nicht, durch Zentralperspektive eine Raumillusion zu schaffen. Für sie ist der sogenannte Fluchtpunkt vielmehr der Betrachter. Auf ihn soll das Bild aus der jenseitigen Welt wirken.

Monatsspruch

Die Kunst ist die irdische Schwester der Religion, die uns auch heiligt, und wenn wir ein Herz haben, sie zu vernehmen, dann werden wir erhoben und beseligt.

Adalbert Stifter (Pseudonym Ostade)

* 23. Oktober 1805 in Oberplan an der Moldau (Böhmerwald) als Albert Stifter

† 28. Jänner 1868 in Linz

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