November 2012: Natur - Technik - Kunst

Natur: An dem jetzigen Geschehen, dass in unserer Gegend am 27. Oktober der Schnee die Blumenrabatten bedeckt, die Blumensträucher und die Gräser niederstreckt, das noch nicht eingesammelte Laub unter sich begräbt, können wir Menschen nichts ändern. Die Frage ergibt sich: Zu welchem Zweck dient dieses Phänomen, das nur ungefähr aller 40 Jahre vorkommen soll? Festhalten im Bild, im Gedächtnis, in den wissenschaftlichen Aufzeichnungen – das bleibt uns.

Technik und Kunst:(Auszug aus Welt-Geschichte: Kunst-Geschichte von Dieter Jähnig)

“Die Antwort auf die Frage, ob die Bau-Beispiele nicht vorschnell Kunst und Technik vermengt haben, lässt sich dann in Gestalt einer Gegenfrage geben: Was sind die Pyramiden Gizeh am Unterlauf des Nil, die Tempel von Uruk an der (damaligen) Mündung des Euphrat, die geometrischen Stadtanlagen von Mohenjo Daro und Harappa am Indus oder etwa auch die, nach den gleichen tektonischen Prinzipien wie Bauwerke -aufgebauten- bronzenen Opfergefäße aus der am Knie des Gelben Flusses beheimateten Kultur der Shang- und Chou-Zeit Chinas? In allen diesen Fällen handelt es sich um Dokumente aus den Gründungsepochen der ersten Hochkulturen …..

Der chinesische Begriff für künstlerische Tätigkeit heißt wörtlich: ›die Lehre von chin und yüan‹, die Lehre von nah und fern. Was wir ›Kunst‹ nennen, das war – in den formalen Weisen der Zirkulierung und Quadrierung, der Achsengebung und Stufung, der antithetischen Spannung oder (wie in den ostasiatischen Dachformen) des schwebenden Ausgleichs, vor allem aber in der Proportionierung und Rhythmisierung – die anfängliche Kultivierung der Natur durch die Errichtung von Ordnungsprinzipien.”

“Wenn der Winter naht, hat mich der Anblick – und ich imaginierte sogar den Geruch – von künstlichen Blumen erfreut, wie er sich in der Malerei ausdrückt und in diesen Blumen wollte ich die Vielfalt der Farben sehen, die nicht verfliegen, sondern beständig und sehr dauerhaft sind.”

Federico Borromeo, Pro suis studiis, 1628

*16. August 1564, +22. September 1631 in Mailand

Seit 1595 Erzbischof von Mailand, er begründete die Biblioteca Ambrosiana, der eine Künstlerakademie angeschlossen war. Die Gemäldesammlung ist heute noch zu besichtigen.